Freitag, 29. Juli 2011

Krankheit schützt vor Leine nicht - Leinenpflicht auch für kranke Hunde

Leine muss sein, auch wenn der Hund krank ist. So entschied nun das Verwaltungsgericht in Ansbach. Ein Tierhalter hatte versucht, eine Ausnahmegenehmigung für seinen Chihuahua-Yorkshire-Mischling zu erwirken. Aufgrund einer Schilddrüsen-Fehlfunktion und einer Darmerkrankung vertrage der Hund die Leine nicht. So bescheinigte es auch der Tierarzt des Klägers. Der Amtsarzt vom Veterinäramt hingegen traute dem kranken Hund das Tragen der Hundeleine zu. Richterin Claudia Frieser fällte das endgültige Urteil, mit dem Ergebnis, dass auch der gebrechliche Mischling sich fortan nur angeleint durch die Ansbacher Parks bewegen darf. Eine Ausnahme für den kranken Hund, widerspreche gegen Sinn und Geist des Leinengebotes. Besonders ältere Menschen und Kinder sollten in Parks nicht von Vierbeiner erschreckt werden - auch wenn diese unter Krankheiten litten.

Die Ansbacher Entscheidung wirft erneut die Frage nach Sinn und Zweck des Leinengebotes auf. Viele Tierhalter möchten ihrem Hunde beim Gassigehen möglichst viel Freiheit gönnen und lehnen es ab, den Vierbeiner an der Leine einzuengen. Die Leinenpflicht - ursprünglich in Verbund mit dem Maulkorbzwang eine Reaktion auf tragische Unfälle mit sogenannten Kampfhunden - ruft bei vielen Haltern Widerstand hervor. Sind doch auch die meisten Hunde umgänglich und ungefährlich. Doch hat auch die Gegenseite triftige Argumente.

Häufig erschrecken sich besonders Kinder und ältere Menschen vor den frei herumlaufenden Vierbeiner und reagieren teilweise falsch. Um sich schlagende Kinder oder stürzende Senioren können unter Umständen Jagdinstinkte im besten Freund des Menschen wecken, auch wenn dieser bislang nie aggressiv gegen Menschen reagierte. Doch muss es soweit gar nicht kommen. Besonders in den nassen und kalten Jahreszeiten ist es unangenehm, wenn Hunde an fremden Passanten hochspringen. Noch dazu kann so ein kleiner Zwischenfall schnell teuer werden. Wenn der Hund die fremde Garderobe erst einmal besudelt hat, muss der Halter häufig eine ganze Menge Geld für Reinigung oder Ersatz in die Hand nehmen. Die Versicherung zahlt in diesen Fällen nicht. Gilt doch in Deutschland allgemeine Leinenpflicht.

Aber auch im Sinne des Hundehalters sprechen viele Gründe für die Hundeleine. Hunde sind oft übermütig und verlieren im Spiel die Umwelt aus den Augen. Schnell kann es passieren, dass der geliebte Vierbeiner auf die Straße läuft und überfahren wird. Aber auch Zusammenstöße mit Artgenossen können schnell ernsthafte Folgen zeitigen.

Wer dem haarigen Begleiter dennoch etwas Freiheit gönnen möchte, sollte anstelle eines engen Halsbandes auf komfortable Geschirr-Leinen setzen. Zudem gibt es in vielen Städten eigene Hundeparks, und dort kann Bello ganz zwanglos und ohne Leine seine Runden ziehen. Quelle: sueddeutsche

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