Donnerstag, 1. November 2012

Diskriminierung von Assistenzhunden und ihren Menschen


Hund hilft beim Ausräumen der Waschmaschine.
(c) Wikimedia Commons, Foto: AnnaLuciaKoerner.

"Entschuldigung, der Hund muss draußen bleiben!"

Assistenzhunde haben es nicht leicht. Sie durchlaufen ab dem Welpenalter eine mehrjährige Ausbildung unter erfahrenen Hundetrainern, um eines Tages einem behinderten Menschen im Alltag zu helfen und so seine Lebensqualität um ein Vielfaches zu steigern. Sie gehorchen aufs Wort, wissen sich zu benehmen und leisten wertvolle Dienste für ihren Menschen. Dieser ist in der Regel auf seinen Hund angewiesen, um sich überhaupt sicher fortbewegen zu können. Mithilfe ihres Assistenzhundes können Blinde sich wieder auf der Straße zurechtfinden und Rollstuhlfahrer Barrieren überwinden. Umso unverständlicher ist die Argumentation des Verkaufsmitarbeiters einer Spielwarenkette in Mittelbayern, der einer Rollstuhlfahrerin samt ihres Assistenzhundes den Zutritt zum Geschäft verweigerte. Die fadenscheinige Begründung: Man führe unter anderem auch Babynahrung im Sortiment und dulde daher grundsätzlich keine Hunde in den Verkaufsräumen.

Assistenzhunde - ein medizinisches Hilfsmittel

Der Fall zieht weite Kreise, denn nun wurde eine Beschwerde bei der Europäischen Grundrechtsagentur in Wien eingereicht. Begleit- und Blindenhunde sollten einheitlich als medizinisches Hilfsmittel anerkannt werden, um derartige Vorfälle zukünftig zu vermeiden. Niemand käme auf die Idee, einem Mann mit gebrochenem Bein die Gehhilfen wegzunehmen, einer alten Dame mit schwacher Sehkraft die Brille von der Nase zu stehlen oder einem Diabetiker seine Insulinspritzen abzunehmen. 
Auch ein Assistenzhund ist ein Hilfsmittel, auf das ein Mensch vollständig angewiesen sein kann. Ihn des Hilfsmittels, das seine Behinderung erforderlich macht, zu berauben oder ihn deswegen zu diskriminieren ist nicht nur moralisch äußerst fragwürdig, sondern stellt möglicherweise sogar eine Verletzung der menschlichen Grundrechte dar. Unabhängig vom Ergebnis der Untersuchung durch die Europäische Grundrechtsagentur wird an dieser Stelle deutlich, dass auch in unserer heutigen modernen Gesellschaft nach wie vor erheblicher Nachholbedarf bezüglich Toleranz und Akzeptanz behinderter Menschen, sowie gegenseitiger Rücksichtnahme besteht.

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